Lager Nr. 16 - Gedenkort Judenlager - Entbindungslager für Zwangsarbeiterinnen

Vorschlag für einen Gedenkort in zu gestaltender Parkanlage im Radeburger Dreieck in Dresden - Wettbewerbsbeitrag (Teil I) für den städtischen Ideenwettbewerb zum "Gedenkareal Dresdner Norden" - Arbeit durch Schichten - in Zusammenarbeit mit Barbara Lubich, Claudia Blaurock, Nazanin Zandi, Rosa Brockelt, Bettina Lehmann, Kristin Eubling, Matthias Marx - 3. Platz

Das Radeburger Dreieck dient als städtische Ausgleichsfläche und ist derzeit nicht zugänglich. Auf dem Gelände einer Kiesgrube auf dem Heller unweit von Dresden wurden in der ersten Hälfte der 1930er Jahre Baracken erbaut, die u.a. als Lager und Unterkunft während des Baus der Reichsautobahn dienten. 

Das sogenannte Judenlager Hellerberg war ein Sammellager und diente vom November 1942 bis März 1943 als Lager für die bei Zeiss Ikon zwangsarbeitenden Juden Dresdens.  Betriebsintern war es bis dahin geführt worden als Lager Nr. 16. 

Die Lagerinsassen wurden Anfang März 1943 in das KZ Auschwitz deportiert. Nachweislich überlebten nur zehn der 293 Deportierten den Holocaust. 

Von Mai 1943 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Lager unter dem Namen "Lager Kiesgrube" als "Ausländerkinder-Pflegestätte" und Entbindungslager für Kinder von Zwangsarbeiterinnen weitergenutzt. Von  den nachgewiesenen 497 hier geborenen Kleinkindern verstarben mindestens 225 nach kurzer Zeit im Lager an bewusster Mangelversorgung. 

Nach dem Kriegsende wurden Teile der Baracken abgebaut, andere als Werkstatt verwendet. Ab 1950 wurde die ehemalige Kiesgrube mit Trümmerschutt und anderen Abfällen verfüllt. Der Standort diente später u.a. als Kohlelagerplatz, Kleingartenkolonie und zuletzt als Hundesportplatz.

Idee:

Auf der perspektivisch landschaftsarchitektonisch zu erschließenden Fläche wird eine Langzeitintervention den symbolischen Spatenstich für den vorgeschlagenen Gedenkort (vgl. Skizzen und Modell) vollbringen. Dieser schneidet sich als Rampe diagonal durch die Schutt- und Trümmerschichten bis auf eine Tiefe von sieben Metern ein, jene Ebene, auf der die Baracken des Lagers standen.
Stets im Blick hat man beim Abstieg den unerreichbaren einstigen Lagereingang, dessen gemauerte Pfeiler die einzig erhaltenen Relikte aus jener Zeit darstellen. Die Zugänge zur Fläche und späteren Parkanlage werden über ein konisches Portal von der Stauffenbergallee (nach deren Ausbau mit Fußweg), einen öffentlichen Weg von der Radeburger Straße Ecke Hammerweg und einen Übergang vom St.-Pauli-Friedhof ermöglicht.

In Phase I wird performativ zwei Jahre lang mit dem Spaten in die Erde hineingraben. Ein symbolischer erster Spatenstich am 2. März 2023, dem 80. Jahrestag der Räumung des “Judenlagers” und der anschießenden Deportation vom Alten Leipziger Bahnhof, markiert den Beginn, der 8. Mai 2025 (80. Tag der Befreiung) den Abschluß und die symbolische Grundsteinfreilegung des zu errichtenden Gedenkortes.

An den Zugängen sollen Bauschilder auf das Bauvorhaben weithin sichtbar hinweisen. Eine folgende Park- und Gedenkortgestaltung am Radeburger Dreieck wäre als Bauvorhaben in einer zweiten Phase ab Mai 2025 anzugehen.

Partizipative Ausgrabungen am Radeburger Dreieck wären als gemeinschaftliche Erinnerungsarbeit u.a. mit der Archäologischen Gesellschaft in Sachsen e.V., Schulklassen und anderen Partnern durchführbar. Eine museale Thematisierung möglicher Funde würde die unterschiedlichen "Zeitschichten" darstellen und Beziehungen zur jüngeren Vergangenheit bis hin zur Gegenwart herstellen lassen.

 

>> Ideenwettbewerb Gedenkareal Dresdner Norden

>> Aktion zur Grundsteinfreilegung

>> Judenlager Hellerberg
>> Ausländerkinder-Pflegestätte - Entbindungslager Kiesgrube